GNBF Anti-Doping-Maßnahmen ab 2014

Liebe Natural-Bodybuilding-Freunde,

 

im Zusammenhang mit der 10. GNBF Deutschen Natural Bodybuilding Meisterschaft 2013 haben wir bekanntlich einige wertvolle, aber auch durchaus schmerzvolle Erfahrungen bezüglich der Durchführung unserer Dopingtests und der von uns hierfür eingesetzten Verfahren gemacht.

 

Aufgrund der Kritik an der Abnahme und dem Versand der von uns erstmalig durchgeführten Blut- und Haarproben hat die GNBF sowohl ihre Vorgehensweise bei der Abnahme und dem Versand der Blut- und Haarproben zum Labor als auch die eingesetzten Verfahren auf den Prüfstand gestellt und diesbezüglich entsprechende Konsequenzen gezogen. Denn selbstverständlich hält die GNBF an ihrer strikten Anti-Doping-Politik fest.

Um ihren Wettkampfathleten zukünftig noch mehr Sicherheit für eine faire, dopingfreie Deutsche Meisterschaft als bisher zu geben, wurden ab dem Jahr 2014 folgende Anti-Doping-Maßnahmen beschlossen:

 

Anti-Doping-Maßnahmen ab der 11. GNBF Deutsche Meisterschaft am 25.10.2014 in Wiesloch (Baden-Württemberg):

* Haaranalyse

* Blutanalyse

* Urinanalyse

* Fettfreie-Masse-Index (FFMI)*

 

Jeder Klassensieger wird mittels Haar- und/oder Blutanalyse und Urintest auf den Gebrauch von verbotenen Substanzen getestet.

Zusätzlich unterziehen sich am Tag des Einschreibens für den Wettkampf (24.10.2014) 10 weitere nach dem Zufallsprinzip bestimmte Athleten einem Urintest. Sämtliche Dopingproben werden wie gewohnt in einem WADA-akkreditierten Labor ausgewertet. Ab 2014 wird der Transport der versiegelten Dopingproben zum Labor nicht länger über den Transportdienstleister FedEx erfolgen, sondern die Dopingproben werden dem Labor innerhalb von zwei Tagen nach der Deutschen Meisterschaft eigenhändig durch die GNBF oder eine Vertrauensperson der GNBF überreicht.

 

Erstmalig wird ab 2014 der von Harrison G. Pope (Professor an der Harvard Universität) entwickelte Fettfreie-Masse-Index (FFMI) als Zulassungskriterium für die Teilnahme an der 11. GNBF Deutschen Natural Bodybuilding-Meisterschaft zum Einsatz kommen. Der FFMI ist ein Wert, der aus der Größe, dem Gewicht und dem Körperfettanteil berechnet wird und gibt Aufschluss über die Körperzusammensetzung von Fett und Magermasse. Jeder Athlet muss sich am Vortag des Wettkampfes der Messung seines FFMI unterziehen (Ausnahme: Frauen-Figur-Klasse, hier erfolgt keine Bestimmung des FFMI). Für die Zulassung der Teilnahme bei der 11. GNBF Deutschen Meisterschaft darf der Wert des FFMI nicht höher als 26 sein. Athleten, die einen höheren FFMI-Wert als 26 aufweisen, sind für die Wettkampf-Teilnahme bei der GNBF nicht berechtigt.

 

Fragen bezüglich der Haar-, Blut- und Urintests beantwortet der medizinische Beirat und Dopingexperte der GNBF, Herr Prof. Dr. med.

Dr. phil. Martin Hörning via E-Mail: martin@gnbf.de. Fragen zum FFMI beantwortet der Trainingswissenschaftler und Jury-Vorstand der GNBF, Dr. Andreas Müller via E-Mail: andreas@muellerwerdau.de. Desweiteren wird 2014 eine GNBF Anti-Doping-Kommission ins Leben gerufen. Nähere Informationen hierzu in Kürze auf www.gnbf.de, Facebook und via Newsletter an alle GNBF-Mitglieder.

 

Die Urintests außerhalb des Wettkampfes werden darüber hinaus zahlenmäßig erhöht. Jedes GNBF-Mitglied muss jederzeit damit rechnen, sich einem „Out of Season“-Urintest zu unterziehen. Zur Gewährleistung der Durchführbarkeit eines Urintests außerhalb des Wettkampfes hat jedes GNBF-Mitglied sicherzustellen, dass dem GNBF-Sekretariat eine aktuelle Adresse sowie eine gültige Telefon-nummer und/oder eine gültige E-Mail-Adresse via E-Mail vorliegt. Adressänderungen sowie Wechsel der Telefonnummer oder Wechsel der E-Mail-Adresse sind an die E-Mail: berend@gnbf.de oder per Fax an die Nummer: 040 43253337 mitzuteilen. Für Anregungen und Kritik sind wir wie immer dankbar.

 

Mit sportlich-fairen Grüßen

Berend Breitenstein – GNBF e.V.-Gründer

 

*Kouri EM, Pope HG Jr, Katz DL, Oliva PS. Fat-free mass index in users and non-users of anabolic-androgenic steroids. Clin J Sport Med 1995;5:223–8, Pope et al. 2001, S. 315-316, es gilt die Version von 2001.

 

Erläuterungen zum Fettfreien Masse Index (FFMI)

Der Fettfreie Masse Index (FFMI) ist eine nur im Bodybuilding anwendbare Kenngröße, die in den 1990er Jahren von Wissenschaftlern der Harvard Medical School unter Leitung von Prof. Dr. Harrison G. Pope auf der Basis empirischer Forschung entwickelt wurde. Der FFMI ermöglicht, Anwender muskelaufbauender Pharmaka mittels einfach festzustellender anthropometrischer Daten zu identifizieren, sobald ihre Körperentwicklung ein Ausmaß angenommen hat, das unter natürlichen Bedingungen nicht mehr erreichbar ist. Die Forschungsergebnisse zum FFMI wurden mehrfach in anerkannten wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Verlagen publiziert und sind bis in die Gegenwart wissenschaftlich akzeptiert. Zu verweisen ist hier insbesondere auf die Veröffentlichung in Clinical  Journal of Sport Medicine (Kouri et al.: Fat-free mass index in users and nonusers of anabolic-androgenic steroids. Clin J Sport Med. 1995 Oct; 5(4):223-8.) sowie die beim Deutschen Taschenbuch Verlag im Jahr 2001 erschienene Buchausgabe „Der Adonis Komplex“, auf welche auch nachfolgend Bezug genommen wird. 

POPE et al. (2001, 315) geben für die Berechnung des FFMI folgende Formel an:

FFMI = FFKG : H² + 6,1 x (1,8 – H)

FFKG = Fettfreies Körpergewicht

H = Körpergröße in Meter

Das Fettfreie Körpergewicht entspricht der Differenz aus Körpergewicht und prozentualem Körperfettanteil. Es wird am besten durch Messung der Hautfaltendicke mit Hilfe eines handelsüblichen Fettcalipers (ab ca. 20,- Euro) ermittelt. Achtung: Die gleichfalls handelsüblichen so genannten Körperfettwaagen liefern aufgrund der vielfach in die Messung integrierten „Korrekturfaktoren“ für Geschlecht, Alter, Größe und das Ausmaß der körperlichen Aktivität keine für Wettkampfbodybuilder hinreichend genauen Angaben, sondern allenfalls  grobe, auf Durchschnittspersonen ausgelegte Richtwerte! Dies gilt auch für zahlreiche im Internet angebotene FFMI-Rechner!

Pope et al. geben an, dass „ein FFMI von 19 oder 20 typisch für einen durchschnittlichen amerikanischen oder europäischen Studenten“ ist. Ein FFMI von 22 bis 23 beschreibe dagegen schon „einen Mann, der auffällig muskulös“ sei.  Wenn dagegen „ein Mann ziemlich schlank ist, einen FFMI von mehr als 26 hat und behauptet, er habe seinen Körper ohne Pharmazeutika so in Form gebracht, so lügt er mit fast absoluter Sicherheit“ (vgl. POPE et al. 2001, 56-57).

Zum Vergleich: NABBA-Mister Universum Steve Reeves erreichte beim Gewinn des „Mister-America“ im Jahr 1947 „einen FFMI von etwa 25,7 – ein weiteres gutes Beispiel für die Obergrenze an Muskelmasse, die ohne Pharmazeutika aufgebaut werden kann“  (Pope et al. 2001, 61-62).

Demgemäß erteilt die GNBF ab 2014 Athleten, die zum Zeitpunkt des Einschreibens für den Wettkampf am Vortage der Meisterschaft einen FFMI von 26 überschreiten, keine Startgenehmigung mehr!

Damit wird insbesondere auch der Tatsache Rechnung getragen, dass es „bei geschicktem Vorgehen“ möglich ist, mit Hilfe von Pharmaka ein unter „natürlichen Bedingungen“ niemals erreichbares Ausmaß an Muskelmasse  aufzubauen und diese Muskelmasse selbst dann zu erhalten, wenn in den nachfolgenden Jahren auf muskelaufbauende Pharmaka verzichtet wird. Dieser Umstand wurde in der Vergangenheit von „Lifetime-Natural-Athleten“  immer wieder (mit Recht) als Nachteil bei Wettkämpfen im Natural Bodybuilding bemängelt!

Der FFMI wird während des Einschreibens für den Wettkampf am Vortage der Meisterschaft nach Feststellung von Körpergewicht und Körpergröße mittels Waage und Messlatte zunächst rein rechnerisch ermittelt, wobei ein hypothetischer Wert von 5 Prozent Körperfett (den nur sehr definierte Athleten erreichen) zugrunde gelegt wird. Liegt der Athlet hier unter einem FFMI von 25, kann auf die nachfolgende Ermittlung des Fettfreien Körpergewichts (FFKG) verzichtet werden, der Athlet erhält die Zulassung zum Wettkampf. Diese Verfahrensweise eignet sich auch gut zur unkomplizierten Abschätzung des eigenen FFMI zuhause mit Hilfe eines Taschenrechners, lediglich auf der Grundlage der Daten für Körpergröße und Körpergewicht.

Erreicht der FFMI bei der genannten Überschlagsrechnung einen Wert von über 25, wird mit Hilfe eines qualitativ hochwertigen Calipers die Hautfaltendicke und damit das Fettfreie Körpergewicht ermittelt. Hierbei gilt eine Messtoleranz von 2 Prozent zugunsten des Athleten.

Abschließend zum besseren Verständnis ein Berechnungsbeispiel:

Angenommen, ein Athlet ist 1,78 m groß, wiegt 85 kg und hat einen Körperfettanteil von fünf Prozent. Fünf Prozent  von 85 kg entsprechen 4,25 kg. Ermitteln wir zunächst das Fettfreie Körpergewicht (FFKG):

85 kg – 4,25 kg = 80,75 kg.

Das Fettfreie Körpergewicht des Athleten beträgt also 80,75 kg. Dieser Wert ist jetzt durch das Quadrat der Körpergröße in Meter (1,78 x 1,78 = 3,1684) zu dividieren:

80,75 : 3,1684 = 25,486.

Zu diesem Wert ist nunmehr das Produkt aus 6,1 x (1,8 – 1,78 m) zu addieren:

25,486 + 6,1 x (0,02) = 25,486 + 0,122 = 25,608.

Der FFMI des beschriebenen Athleten beträgt also 25,608. Dieser Wert ist für einen Natural-Bodybuilder erreichbar, die Voraussetzung für eine Zulassung zu einem Wettkampf der GNBF ist somit aus dieser Sicht gegeben.

 

Dr. phil Dr. disc.pol. Andreas Müller

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